
Im Münchner Osten, unweit der letzten Häuser von Trudering und Neuperlach, aber bereits in einer direkten Waldlage im Truderinger Wald, liegt ein ganz besonderer Kindergarten, der Waldkindergarten Trudering. Genauer muss man sagen, dass es gar keinen wirklichen Ort gibt, denn ein Waldkindergarten ist kein Gebäude, sondern ein Kindergarten ohne Dach und Wände. Mutter Natur, der Wald, ist der Betreuungsort. Die Kinder verbringen die ganze Zeit im Freien. Nur für extreme Wetterbedingungen steht ein Unterschlupf zur Verfügung, beim Waldkindergarten Trudering ist es ein Bauwagen. Auch auf konventionelles Spielzeug wird in einem Waldkindergarten weitestgehend verzichtet. Die Kleinen spielen in der Natur, aber Bastelsachen, Malzeug, Decken, Seile und Werkzeug gibt es schon. Das fehlende Bau- und Spielmaterial spendet der Wald, etwa Äste, Gras, Erde, Schnee. Auch Toiletten sind Fehlanzeige. Nennen wir das Kind ruhig beim Namen: Es wird in den Wald gepinkelt, für das große Geschäft dient eine Grube.
Das Konzept des Waldkindergartens ist nicht ganz neu. Es wurde bereits in den 1950er-Jahren in Skandinavien entwickelt, der erste deutsche Waldkindergarten wurde 1993 eröffnet. Inzwischen gibt es in Deutschland rund 2.000 Waldkindergärten (Stand Januar 2026). Diese Kindergartenform steckt also nicht mehr in den Kinderschuhen, ist aber bei fast 60.000 Kindergärten in Deutschland nur eine Randerscheinung.

Das Konzept ist sicher interessant: Eine natürliche Umgebung im wahrsten Wortsinn, in der sich die Kinder viel bewegen, viel frische Luft und noch mehr Licht bekommen. Das stärkt die Abwehrkräfte, und der Wald als Spielplatz regt die Phantasie wohl mehr an als so manches Plastikspielzeug. Weitere Informationen zum Konzept finden sich auf der Website des Waldkindergartens Trudering. Dort wird durchaus schlüssig erklärt, dass die „Waldkinder“ später keine Nachteile zu befürchten haben. So sollen sie in der Schule sogar im Vorteil gegenüber den Kindern aus dem Kindergarten Marke Betonbau sein.
In der Nähe befindet sich eine Mariengrotte: Mini-Lourdes im Truderinger Wald