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Das JOTT-Phänomen

Das JOTT-Phänomen („Just One of Those Things“) – wenn Gegenstände verschwinden und manchmal an anderen Orten wieder auftauchen. Man kann es glauben oder nicht – es gibt viele gut dokumentierte Fälle. Die Erklärungen gehen auch dahin, dass es ein psychisches Phänomen sein könnte. Wie auch immer, es ist interessant!

Zum Video: Bei dem Pinsel vermute ich eine natürliche Erklärung (ohne es zu wissen, versteht sich). Ein (dünner) Pinsel kann schon mal so fallen, dass man ihn kaum mehr finden kann. Auch in einem weitgehend leeren Raum. Hatte ich auch schon, dass dünne, kleine Gegenstände, die auf einmal weg waren und trotz stundenlangem Suchen verschwunden blieben. Erst beim Umzug tauchten sie wieder auf. Aber das mit dem Schlüssel auf dem Kopfkissen ist krass. Das hat eine Schabernack-Komponente, die ein typisches Begleitphänomen von Spukphänomenen sind.

Habe ich selbst schon mal so was erlebt? Als meine Mutter, die alleine wohnte, heimkam, stellte sie fest, dass ihr große Tiffany-Lampe, die an einem langen Kabel über dem Wohnzimmertisch hing, verschwunden war. Sie dachte sofort, dass sich da jemand in der Wohnung zu schaffen gemacht hatte und war sehr beunruhigt. Außer mir hatte aber keiner einen Schlüssel zur Wohnung. Die Lampe war nirgends zu sehen, und wenn sie einfach abgestürzt wäre, müsste sie ja am Boden liegen. Nach einigem Suchen tauchte sie doch auf. Sie war tatsächlich abgestürzt, dann wohl auf dem Tisch aufgeschlagen und von dort aus in eine Schachtel „gehüpft“, die neben dem Tisch stand. Die Schachtel hat einen Deckel, den man auch nach innen durchdrücken kann. Die Lampe landete derart in der Schachtel, dass sich der Deckel auch wieder schloss. Auf die Idee, dort zu suchen, musste man erst einmal kommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine so große Lampe über eine Zwischenstation so fällt, dass man sie danach nicht mehr sehen kann, weil sie sich danach in einer geschlossenen Schachtel befindet, dürfte „verschwindend“ (das Wort passt wie die Faust aufs Auge) gering sein. Irgendetwas Paranormales war also nicht im Spiel, nur ein abartiger Zufall, was ja dann doch irgendwie mysteriös ist.

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Denkmal Kirche/Kapelle Satanismus Spuk

Hier scheiden sich die Geister – Die Weilheimer Pestkapelle

Ein paar Kilometer von Seeshaupt am Starnberger See entfernt steht sie, die „Weilheimer Pestkapelle“. Es ranken sich düstere Legenden um dieses Gotteshaus. Es sollen nicht nur Pesttote in die Brunnen vor der Kapelle geworfen worden sein, sondern sogar noch lebende Pestkranke. Auch Legenden über einen Pestfriedhof gibt es. Die Brunnen sollen als Pentagramm angeordnet sein, womit eine Verbindung zum Satanismus bestünde (Satanisten verwenden ein nach unten weisendes Pentagramm). Zur Kapelle es gibt es angeblich keine Wegweiser, dafür aber Irrwege, sodass man aus dem Wald nicht mehr herausfindet. Als Entschädigung treffen die Verirrten auf eine erhängte Frau an einem Baum und den Schwarzen Hund. Diesen Bericht habe ich auf meinem heimischen PC geschrieben. Ergo fand ich den Weg aus dem Wald. Viele der Mysterien lassen sich überraschend einfach aufklären.

Weilheimer Pestkapelle
Die Weilheimer Pestkapelle (15.09.2020) © Thomas Irlbeck

Lage und Namensgebung

In der Nähe von Seeshaupt Richtung Weilheim steht mitten im Lauterbacher Wald die „Pollingsrieder Kapelle“, so der offizielle Name, die besser als „Weilheimer Pestkapelle“ bekannt ist. Ein weiterer Name ist „St.-Georgs-Kapelle“, da sie Georg geweiht wurde, einem christlichen Heiligen, der zu Beginn der Christenverfolgung im dritten Jahrhundert nach Christi unter dem römischen Kaiser Diokletian ein Martyrium erlitten haben soll. Die Kapelle liegt in der Nähe der Einöde Tradfranz, die sich wiederum unweit des Weilers Eichendorf befindet. All dies (also auch die Kapelle) ist Bestandteil der Gemeinde Eberfing im Landkreis Weilheim-Schongau. Der offizielle Name „Pollingsrieder Kapelle“ leitet sich von der sogenannten Wüstung Pollingsried ab. Unter einer Wüstung (andere Bezeichnungen: Ödung, Elende oder abgegangene Siedlung) versteht man eine aufgegebene Siedlung oder aufgegebene Wirtschaftsfläche. Hier ist ein aufgegebener Weiler (also eine kleine Ansiedlung von Gehöften) gemeint. Der eine oder andere wird bereits das jetzt als geheimnisvoll einstufen.

Geschichte der Kapelle

Ursprünglich stand an Stelle der heutigen Kapelle eine kleine Kirche, die in einer Urkunde von 1162 das erste Mal erwähnt wurde. Die Kirche dürfte aber viel älter sein, da Georgs-Kirchen im Allgemeinen auf keltischen Kultstätten errichtet wurden. Vermutlich bestand die Kirche aus Holz.

Ursprünglich befand sich dort ein landwirtschaftlicher Gutshof (Schwaige) des Klosters Polling. Der Ort Polling liegt ein großes Stück entfernt im Süden von Weilheim. Die Klosterbauten gibt es heute noch, aber das Kloster wurde aufgegeben.

Kloster Polling
Kloster Polling. Lizenz: Public Domain

Im 17. Jahrhundert wurde der Gutshof schrittweise in drei eigenständige Höfe (Tonibauer, Hoiß und Baur) aufgeteilt. Es entstand der bereits erwähnte Weiler Pollingsried. 1711 kam als vierter Hof der bereits ebenfalls erwähnte Tradfranz hinzu, der ein Stückchen weiter entfernt liegt und als einziger Hof heute noch existiert. Er wurde ursprünglich als Wohnsitz für einen Wärter der umliegenden Fischweiler des Klosters Benediktbeuern errichtet.

Pestarzt
Pestarzt. Foto: Dv8stees / Lizenz: CC BY-SA 4.0

1630 grassierte die Pest in der Gegend. Aus diesem Anlass schworen die Eberfinger Bürger, jedes Jahr am Vorabend des sogenannten Sebastianstags (20. Januar) in der Kirche eine Messe zu feiern. Der heilige Sebastian wird gegen die Pest, andere Seuchen sowie als Schutzpatron der Brunnen angerufen. Angeblich ist der schwarze Tod daraufhin in der Gegend nie mehr ausgebrochen. Für einen wirksamen Schutz vor dem Coronavirus hat es allerdings nicht gereicht.

1655 zerstörte ein Feuer die Kirche. 1660 wurde sie wieder aufgebaut, es entstand die heutige bekannte Kapelle.

1803 gelangten mit der Säkularisierung große Teile der bayerischen Wälder in Staatsbesitz. Der Staat wollte dabei den Wald im großen Stil bewirtschaften, das heißt aufforsten. Entsprechend wurden kleine Siedlungen aufgekauft und abgerissen. Etwas Geheimnisvolles ist da also nicht dahinter, im Gegenteil, ist es etwas Weltliches. Pollingsried wurde 1863 dem Erdboden gleichgemacht, nachdem 1856 der Tonibauer zwangsversteigert worden war und 1860 die beiden anderen Höfe aufgegeben worden waren. Nur die Kapelle blieb auf der heutigen Lichtung und eben der etwas abgelegene Tradfranz, ebenso wurden die Brunnen verschont. Die Kapelle steht heute unter Denkmalschutz.

Christus im Kerker

Weilheimer Pestkapelle
Skulptur „Christus im Kerker“ in der Stirnwand der Kapelle. Die Schlieren im Bild sind der Tatsache geschuldet, dass durch ein Gitter fotografiert werden musste (15.09.2020) © Thomas Irlbeck
Weilheimer Pestkapelle
Weitere Ansicht der Skulptur „Christus im Kerker“ (15.09.2020) © Thomas Irlbeck

Die folgende Skizzierung der Kapelle erfolgte 1994 vom Heimatpfleger Klaus Gast: „Von der alten Ausstattung ist noch der Hochaltar an der ostseitigen Abschlussmauer des Chores vorhanden. Der Aufbau aus Holz und Stuckmarmor stammt aus der Zeit um 1790. Der Altarschmuck ist in kühlem Grün gefasst. Als Mittelpunkt des Altars ist ein Bild des heiligen Georg eingelassen, der zu Pferd im Hintergrund einer Burg entgegen reitet.“ Nordseitig befindet sich eine kleine marmorierte Holzkanzel aus dem 18. Jahrhundert. Einen rechten Seitenaltar gibt es nicht, dafür ist in die Stirnwand die Skulptur mit der Darstellung „Christus im Kerker“ eingelassen (Abbildung).

Weilheimer Pestkapelle
Weiteres Innenleben (15.09.2020) © Thomas Irlbeck

Das Deckenfresko von 1951 ist mit Stuckrahmen eingefasst und vom Oberhausener Maler Emmerich signiert. Zu sehen ist der „Dreifaltige Gott“ mit Mann, Mutter Anna und Joachim, eingerahmt von Engeln, die ein Spruchband „Heilige Mutter Anna, bitte für uns“ in den Händen halten. Dies ist ein Hinweis darauf, dass die Eberfinger jetzt die heilige Anna, die Großmutter Jesu, verehren, nicht mehr den heiligen Georg.. Dieser Wechsel erfolgte bereits im 17. Jahrhundert.

Besuch vor Ort

Weilheimer Pestkapelle
Die Weilheimer Pestkapelle lädt auch zur Brotzeit ein (15.09.2020) © Thomas Irlbeck

Die Kapelle liegt auf einer Lichtung. Vor dem Eingang fallen ein Brunnen sowie ein Vorplatz auf, auf dem recht deutlich Strukturen in Gestalt konzentrischer Kreise im Gras- und Kiesboden zu erkennen sind (Abbildung). Es wurden einige Bänke und auch ein Tisch aufgestellt.

Weilheimer Pestkapelle
Vorplatz mit konzentrischen Kreisen. Was es wohl damit auf sich hat? Nur so viel ist klar, von einem Kreispfleger stammen sie kaum (15.09.2020) © Thomas Irlbeck

Die konzentrischen Kreise könnten ein aktuelles Phänomen sein und durch paar Umverteilungen von Steinen und Entfernung von Gras erfolgt sein. Möglich, dass dort okkulte Rituale praktiziert wurden oder werden. Bei den Recherchen habe ich absolut nichts gefunden. Ich bleibe da aber dran.

Weilheimer Pestkapelle
Turm mit Alarmanlage (15.09.2020) © Thomas Irlbeck
Weilheimer Pestkapelle
Eingangstüre mit der Geschichte der Kapelle in einem Schaukasten (15.09.2020) © Thomas Irlbeck

Leider ist die Kapelle abgesperrt, durch die Fenster ist immerhin ein Blick ins Innere möglich. Es gibt eine Alarmanlage (wohl seit Ende der 1980er-Jahre) und Videoüberwachung. Der Grund liegt darin, dass es immer wieder zu erheblichem Vandalismus kam. Die Kapelle zieht Esoteriker, Satanisten, Einbrecher oder einfach nur Neugierige an. Sogar aus Norddeutschland und vermutlich auch aus dem Ausland, wobei Norddeutschland für einen Bayern Ausland ist. Es wurden Kirchenbänke angezündet, selbst die Glocken wurden einmal entwendet. Die Sicherung der Kapelle funktioniert, heute hinterlassen Touristen aber noch Müll.

Weilheimer Pestkapelle
Ein idyllischer Fleck (15.09.2020) © Thomas Irlbeck

Satanismus? Die 5 Brunnen – als Pentagramm angeordnet?

Im nahen Umfeld der Kapelle gibt es vier Brunnen, die wie die Kapelle unter Denkmalschutz stehen. Angeblich existiert noch ein fünfter Brunnen, den aber noch keiner gefunden hat. Zumindest ist nichts belegt.

Pestfriedhof?

Die Legende besagt, man habe Pesttote oder noch lebende Pestkranke in diese tiefen Brunnen geworfen. Als die Brunnen voll waren, soll man die Leichen vor der Kirche vergraben haben. Dagegen spricht, dass es damals nicht so viele Bewohner gab, als dass die Kapazität der Brunnen nicht ausgereicht hätte. Der These des Pestfriedhofs erteilt auch Klaus Gast eine klare Absage.

Belege, dass Menschen in die Brunnen gestoßen wurden, gibt es ebenso keine. Es ist auch unwahrscheinlich, da Brunnen im Allgemeinen sauber gehalten wurden. Schließlich brauchte man das saubere Wasser zum Überleben. Es wurden auch schon Taucher eingesetzt, die im Brunnen nach sterblichen Überresten gesucht haben, sie fanden jedoch nichts.

Der Schwierigkeitsgrad, die Brunnen zu finden, steigt von Brunnen zu Brunnen. Den fünften Brunnen hat wie gesagt noch keiner gefunden. Bei meinem Besuch will ich der Erste sein, der es schafft. Das ist natürlich ein klein wenig ironisch gemeint.

Pentagramm
Pentagramm. Lizenz Public Domain
Pentagramm
Nach unten weisendes Pentagramm, wie es von Satanisten verwendet wird. Lzenz: Public Domain

Die fünf Brunnen sollen als Pentagramm angeordnet sein. Sollte das stimmen, dann läge tatsächlich ein Ort mit satanistischem Bezug nahe. Dazu muss man wissen, dass Satanisten (und Leute, die schwarze Magie betreiben) ein nach unten weisendes Pentagramm verwenden, aber für bei der Frage nach der Brunnenanordnung würde das keine Rolle spielen..

Als die Fotos entstanden sind, fand sich eine Schmiererei mit einem Pentagramm an der Kapelle – kein nach unten weisendes, also streng genommen kein satanistisches Symbol. Da hat der Schmierfink also seine Hausaufgaben nicht gemacht, sollte er hier einen satanistischen Bezug beabsichtigt haben:

Weilheimer Pestkapelle
Pentagramm-Graffito oder besser Schmiererei an der Pestkapelle (Vergrößerung der weiter unten befindlichen Abbildung; 15.09.2020) © Thomas Irlbeck

Ob an der Brunnenanordnung in Form eines Pentagramms etwas dran ist, wird später noch untersucht.

Hier noch die giebelseitige Ansicht von Nordosten gesehen mit der Pentagramm-Schmiererei, die ich zum besseren Auffinden mit einem Kreis markiert habe.

Weilheimer Pestkapelle
Ansicht mit Pentagramm-Schmiererei (15.09.2020) © Thomas Irlbeck

Brunnen #1

Dieser ist der einfachste, befindet er sich doch direkt vor der Kapelle. Das Gitter ist eingedellt.

Weilheimer Pestkapelle
Brunnen #1 (15.09.2020) © Thomas Irlbeck
Weilheimer Pestkapelle
Brunnen #1, näher dran (15.09.2020) © Thomas Irlbeck

Brunnen #2

Dieser ist auch noch relativ einfach zu finden. Er befindet sich wenige Meter östlich hinter Brunnen #1 im Wald. Hier ist das Gitter intakt.

Weilheimer Pestkapelle
Brunnen #2 (15.09.2020) © Thomas Irlbeck
Weilheimer Pestkapelle
Brunnen #2, näher dran (15.09.2020) © Thomas Irlbeck
Weilheimer Pestkapelle
Brunnen #2 mit entsorgtem Abfall (15.09.2020) © Thomas Irlbeck

Brunnen #3

Weilheimer Pestkapelle
Brunnen #3 mit Relief „1978“ in der Gittermitte

Brunnen Nummer 3 ist schon eine kleine Herausforderung. Wer eine Zeitlang im Wald herumläuft, dürfte ihn aber finden. Er findet sich in einem deutlich höheren Abstand als die beiden ersten Brunnen in östlicher Richtung von der Kapelle. Das Gitter ist intakt. Oben auf dem Gitter ist eine kreisförmige Platte mit der Zahl 1978 als Relief zu finden. Da die Brunnen vor einigen Jahrzehnten die Gitter als Sicherung bekamen, muss dies die Jahreszahl sein. Es stellt sich aber die Frage, warum Brunnen #1 und #2 nicht mit Jahreszahlen ausgestattet sind.

Weilheimer Pestkapelle
Brunnen #3 (15.09.2020) © Thomas Irlbeck
Weilheimer Pestkapelle
Brunnen #3, näher dran (15.09.2020) © Thomas Irlbeck

Brunnen #4

Dieser Brunnen ist bereits die Königsdisziplin. Wer in der Nähe der Kapelle alles abläuft, wird ihn nicht finden. Ich hatte mich aber gut vorbereitet und wusste, dass er ganz in der Nähe vom Tradfranz liegen muss. Ich habe dort eine Zeitlang geschaut, aber nichts gefunden. Aber es rollte ein freundlicher Förster auf dem Motorroller an. Doch der wusste auch nicht genau, wo der vierte Brunnen zu finden sei. Er meinte, ich solle beim Tradfranz fragen. Am Hof war aber niemand anzutreffen – von Tieren im Stall mal abgesehen, die waren aber nur bedingt auskunftsbereit. Somit bin ich ganz deutlich gescheitert, habe nur 3 von 5 Brunnen gefunden. Manch andere waren einen Brunnen besser. Bei einer späteren, weiteren Recherche fand ich den Brunnen dann doch noch – auf einer Karte der Website 5-Seen-Land.de. Es stimmt, er liegt in der Nähe des Tradfranz.

Brunnen #5 (Teufelsbrunnen)

Den fünften Brunnen hat noch keiner aufspüren können. Angeblich befindet er sich direkt unter der Kapelle, sodass ein Auffinden eher etwas für Maulwürfe wäre. Der Brunnen, den es vielleicht gar nicht gibt, ist auch unter dem Namen „Teufelsbrunnen“ bekannt. Hinweise auf die Existenz des Brunnens gibt es nicht.

Pentagramm?

Wenn man sich die bestehenden vier Brunnen auf der Karte anschaut, wird klar, dass sich auch unter Annahme eines hypothetischen fünften Brunnens an einer anderen Stelle als der Kapelle nie und nimmer ein Pentagramm ergibt. Dafür sind auch die Abstände der Brunnen viel zu unterschiedlich. Bereits die Tatsache, dass zwei Brunnen fast unmittelbar nebeneinanderliegen, andere dagegen weit auseinander, macht ein Pentagramm unmöglich. Obwohl dies absolut eindeutig ist, hält sich die Pentagramm-Legende hartnäckig.

Weilheimer Pestkapelle - Anordnung Brunnen
Anordnung der Brunnen. Beim besten Willen lässt sich hier kein Pentagramm erkennen

Ein weiterer Aspekt ist, dass Satanismus erst seit dem 18. bis 19. Jahrhundert als religiöse Bewegung existiert. Die Brunnen stammen aber aus dem 17. Jahrhundert. Den Erbauern der Brunnen dürfte daher das nahc unten weisende Pentagramm als satanistisches Zeichen nicht bekannt gewesen sein.

Eine These über die Brunnen

Mir kam da aber ein ganz anderer Gedanke. Es gab vier Höfe, von denen nur noch der Tradfranz vorhanden ist. Da dort Brunnen #4 zu finden ist, ist es doch naheliegend, dass jeder Hof einen Brunnen hatte. Die ersten drei Brunnen liegen schließlich nahe an der Kapelle und da waren ja auch die Höfe. Demzufolge gäbe es nur vier Brunnen.

Ein weiteres wasserspezifisches Objekt

Weilheimer Pestkapelle
Betonrohr im Boden. Ich habe die Umrisse zur besseren Erkennung eingefärbt (15.09.2020) © Thomas Irlbeck

Aber die Brunnengeschichte ist noch nicht ganz zu Ende. Direkt an der Kapelle befindet sich ein großes Betonrohr, das senkrecht in die Erde gerammt und offenbar mit Flusssteinen aufgefüllt wurde.

Solche Betonrohre werden nicht nur als mehr oder weniger waagrecht verlegte Wasserrohre verwendet, sondern auch in senkrechter Form, um als Sammler Regenwasser von Straßen und Wegen in das Grundwasser zu leiten. Was hier genau dahinter steckt, entzieht sich meiner Kenntnis, aber ich bin noch dran.

Legenden

Irrwege im verfluchten Wald, erhängte Frau, Schwarzer Hund …

Schwarzer Hund
Lizenz: Public Domain

Zur Kapelle gibt es angeblich keine Wegweiser. Es wird ferner erzählt, dass man sich leicht in dem verfluchten Wald verirren würde. Wege endeten einfach im Nichts und man fände nicht mehr aus dem Wald heraus. Zu allem Überfluss könne man auch auf eine erhängte Frau an einem Baum treffen. Hilfe naht allerdings, wenn man das Glück hat, auf den Schwarzen Hund zu treffen. Dieser zeigt Verirrten den Weg aus dem Wald. Der Schwarze Hund ist in Spukgeschichten ein häufig anzutreffendes Fabelwesen. In manchen Kliniken soll der Schwarze Hund auftauchen, kurz bevor ein Patient stirbt. Hier in Pollingsried aber scheint es sich um einen freundlich gesinnten Hund zu handeln. Wer würde so einen nicht gerne als Haustier haben?

Spuk
Spukt es im Wald, aus dem man nie wieder herausfindet? Lizenz: Public Domain

Das mit den Wegweisern lässt sich widerlegen. Es gibt sehr wohl Schilder mit Hinweisen auf die Kapelle, allerdings sind sie rar gesät. Die Tatsache, dass sogar am Waldrand in der Nähe des Tradfranz ein Parkplatz extra für Kapellenbesucher existiert, auf dem noch dazu ein Schild mit der Aufschrift „Parkplatz Pollingsrieder Kapelle“ aufgestellt ist, kratzt stark am Mythos. Richtig ist aber, dass Einheimische wegen des bereits erwähnten Vandalismus kein Interesse daran haben dürften, dass für die Kapelle groß Werbung gemacht wird. Daher gibt es in diesem Bericht auch keine Anfahrtsskizze. Aber wer die Kapelle finden will, wird sie auch finden. Gegen Touristen, die sich benehmen und auch ihren Müll wieder mitnehmen, hat aber sicher niemand etwas einzuwenden.

Auch sind die Wege sehr stringent angelegt. Wenn man auf den breiten Hauptwegen bleibt, kann man kaum verirren. Die einzige Sackgasse dort ist der Weg zur Kapelle selbst, von ein paar Trampelpfaden einmal abgesehen. Wer an der Kapelle umdreht, findet auf einfachste Weise zum Tradfranz zurück, indem er sich immer geradeaus bewegt. Wer mitten im Wald läuft, kann sich eher verlaufen, aber das kann in jedem anderen Wald auch passieren.

Ermordetes Mädchen im Brunnen

1625 soll in Pollingsried ein Pfarrer ein Mädchen ermordet haben, das dann im Brunnen gelandet ist. Der Legende nach hatte das Mädchen einen großen schwarzen Hund gehabt, der nach dem Tod tagelang vor dem Brunnen gewartet hat. Als der Pfarrer das nächste Mal zur Pollingsrieder Kirche kam, soll er von dem Hund in die Kehle gebissen worden sein. Der sterbende Pfarrer hat dann angeblich ein Geständnis abgelegt. Belege für dieses Schauermärchen gibt es keine. Die Geschichte stinkt wie die Pest. Aber der Ursprung des erwähnten Schwarzen Hundes wird klar. Es ist schon erstaunlich, wie lange Hunde leben können.

Kerzenlichter, umgedrehtes Kreuz, rote Gestalt, Schreie

In der Kapelle sollen in der Nacht Kerzenlichter brennen und man erblickt angeblich ein umgedrehtes Kreuz, das Satanssymbol. Sind keine Lichter zu sehen, soll eine rote Gestalt mit schrecklichen Augen im Fenster auftauchen. Auch Schreie sollen zu hören sein. Man muss das nicht weiter kommentieren, aber es lässt sich wie immer im Leben kaum beweisen, dass etwas nicht eingetreten ist.

Fazit

Es gibt viele weitere okkulte Geschichten zur Kapelle vor allem in Internetforen. Dichtung, Wahrheit und Einbildung liegen oft nahe beieinander. Aber vielleicht muss der Schwarze Hund mal zum Tierarzt und es lässt sich auf diese Weise wenigstens ein Beleg für PSI-Phänomene an der Kapelle finden. Aber die Geschichten sind zumindest unterhaltsam und wie heißt es doch so schön? Nichts glauben, aber alles für möglich halten! Und zumindest landschaftlich ist es dort großartig. Mehrere Geister haben mir das bestätigt.

Quellen

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Spuk Video

Joller-Haus: Der vielleicht am besten dokumentierte Spukfall der Geschichte

Eindrucksvolle Dokumentation über die Schweizer „Speichermatt“, das Wohnhaus der Familie Joller. Diese Familie wurde von übernatürlichen Erscheinungen heimgesucht, die Melchior Joller – Anwalt in der Schweiz – penibel dokumentiert hat. Experten der verschiedensten Fachrichtungen werden um ihre Einschätzung gebeten, wie sie sich die Erscheinungen erklären.

Sehr gute, sehenswerte Doku über das Joller-Spukhaus. Als Experte tritt dort auch Dr. Dr. Walter von Lucadou auf.

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Denkmal Kirche/Kapelle Spuk

Der Ebersberger Forst, die Kapelle und die Weiße Frau

Panorama Ebersberg
Panorama vom Aussichtsturm auf der Ebersberger Ludwigshöhe. Foto: Riddance77 / Lizenz: CC BY-SA 3.0
Wappen Ebersberg
Wappen der Stadt Ebersberg: In Gold auf grünem Dreiberg am rechten Schildrand aufsteigend ein schwarzer Eber. Lizenz: Public Domain

Die Stadt Ebersberg ist Endpunkt der Münchner S-Bahnlinie S6 (in der Hauptverkehrszeit fährt auch die S4 bis nach Ebersberg) und liegt vom Münchner Zentrum 33 km entfernt. Die Gegend, speziell der Ebersberger Forst, ist sehr reich an mystischen und besonderen Plätzen. Es gibt eine legendenumwobene Kapelle, einen Aussichtsturm, Hügelgräber, Wildgehege, einen Wald­erlebnispfad, einen Skilift, ein Museum, Forsthäuser und das vielleicht wichtigste: Waldgaststätten.

Mit 90 km2 ist der Ebersberger Forst eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands. 50 km2 sind davon als Wildpark eingezäunt. Laut Hinweistafel soll dies den „Waldbesuchern ein natürliches Erleben von Wild […] ermöglichen“. Vor dem Füttern von Wildschweinen wird aber gewarnt. Eine Besonderheit sind die Eingangstore, die den Wildpark absichern und vom Besucher zu öffnen und schließen sind. Sie sind zusätzlich mit einer Kette, die einzuhaken ist, gesichert. Die Straßen, die direkt durch den eigentlichen Wildpark führen, sind ungeteert und größtenteils für den Kfz-Verkehr gesperrt. Eine von wenigen Ausnahmen ist die Straße, die von Ebersberg am Forsthaus St. Hubertus, das als Waldgaststätte fungiert, vorbei und weiter Richtung Westen nach Obelfing führt. Diese darf von jedermann mit dem Kfz befahren werden. Zum Radfahren geeignet sind die meisten Straßen und Wege, und für Wanderer finden sich selbstverständlich viele weitere Routen.

Die Atmosphäre im Wald ist eine ganz besondere. Das Gelände ist hüglig und wegen der immensen Größe begegnet man kaum anderen Menschen. Und man wird verwöhnt mit besonderen Orten. Aber der Reihe nach. Zunächst einmal gilt es anzufahren.

Der Gedenkstein des Josef Garnreiter

Gedenkstein Garnreiter
Ein schreckliches Verbrechen an dieser Stelle ist ein unheimlicher Einstieg in den Ebersberger Forst. Näher dran am Gedenkstein: Was hier geschrieben steht, lässt den Schluss zu, dass die Zeiten damals offenbar auch nicht sicherer waren als heute (30.05.2011) © Thomas Irlbeck
Gedenkstein Garnreiter
Stein mit restaurierter Inschrift (22.06.2016). Foto: Werner Schatz

Kurz vor Ebersberg, schon in Sichtweise des Aussichtsturms, wird man durch einen Gedenkstein an die Endlichkeit des Lebens und die Brutalität auf offener Straße erinnert.

Die Inschrift (das Bild links zeigt, dass die Inschrift nach einer Restauration wieder optimal lesbar ist) lautet folgendermaßen:

An dieser Stelle wurde am 12. Mai 1841 der tugendsame Jüngling Josef Garnreiter, Hofwirtssohn v. Ebersberg, in seinem 21. Lebensjahr ermordet und beraubt. R.I.P.

Die Kapelle und die Weiße Frau

Hubertus-Kapelle
Die Hubertus-Kapelle. Links vom Betrachter (im Bild nicht zu sehen) findet sich der eingezäunte Wildpark (30.05.2011) © Thomas Irlbeck

Die (geteerte) Staatsstraße 2080 führt von Ebersberg Richtung Markt Schwaben durch den Ebersberger Forst. Sie läuft zwar außerhalb des Wildparks, der Zaun zum Wildpark und unzählige Eingänge zum diesem befinden sich direkt neben der Straße. Eine besondere Beachtung soll einer Kapelle geschenkt werden, die an dieser Straße, mitten im Ebersberger Forst, steht.

Weiße Frau
Weiße Frau. Nur ein Fake per Bildbearbeitung zur Illustration. Lizenz: Public Domain

Der Legende nach soll sich in der Nähe der Kapelle ein schrecklicher Verkehrsunfall ereignet haben. Dabei soll eine Frau angefahren und sterbend vom unfallverursachenden Autofahrer zurückgelassen worden sein. Der Fahrer konnte nie ermittelt werden. Seitdem brennt angeblich in manchen kalten Nächten in oder in der Nähe der Kapelle ein merkwürdiges Licht, und es soll eine Frau mit weißem Gewand an der Straße erscheinen. Es wird empfohlen, anzuhalten und die Frau ein Stück mitzunehmen. Wer dies nicht macht, dem soll die Frau ins Steuer greifen und einen Unfall provozieren. In diesem Fall soll die Weiße Frau auf einmal auf der Rückbank auftauchen. Den Erzählungen nach ist die Frau bis heute auf der Suche nach dem Unfallfahrer. Zuvorkommende Autofahrer, die die Frau mitnehmen, werden dagegen belohnt. Die Frau verschwindet dann nach einiger Zeit ganz von selbst. Man muss also nicht noch mal anhalten und sich von ihr mit viel Blabla verabschieden. Wie praktisch, auch Geister können einem die lästige Etikette abnehmen.

Hubertus-Kapelle
Hubertus-Kapelle. Spukt es hier? (30.05.2011) © Thomas Irlbeck
Hubertus-Kapelle
Hubertus-Kapelle (30.05.2011) © Thomas Irlbeck

Die Erzählungen variieren stark im Detail. Der Unfall soll sich einigen Berichten nach um 1990 herum ereignet haben, andere Darstellungen sind hier unschärfer. Doch in den Archiven findet sich kein Zeitungs- oder Polizeibericht, der nur annähernd zu der Geschichte passt. Man darf also bereits den Unfall selbst infrage stellen. Dokumentiert ist lediglich eine deutlich erhöhte Unfallzahl in Nähe der Kapelle, obwohl die Straße gut ausgebaut und relativ gerade verläuft. Berichte über Lichter am Straßenrand gibt es aber zweifellos. Als Erklärungsversuch kommen unter anderem Irrlichter infrage, die in Waldmooren entstehen. Aber auch schlichte Reflexionen von Autoscheinwerfern auf Blättern können die Ursache sein. Hinzu kommt, dass durch die variierenden Schauergeschichten, die in der Umgebung die Runde machen, die Leute sehen, was sie sehen wollen oder zu sehen befürchten. In den letzten Jahren sind die Unfallzahlen jedenfalls zurückgegangen. Offenbar verlässt den Geist die Zuversicht, noch fündig zu werden. So stellt sich wohl eine gewisse Müdigkeit ein. Aber können Geister wirklich an chronischer Erschöpfung leiden? Es gibt hier noch viel zu forschen.

Hubertus-Kapelle
In der Hubertus-Kapelle. Neben Spuk scheint sich aber hier noch viel mehr Unerklärliches abzuspielen. Die abgestellte Krücke deutet jedenfalls auf eine Wunderheilung hin. Vielleicht gehört sie ja auch der Weißen Frau, die nach dem Unfall auf die Gehhilfe angewiesen ist (30.05.2011) © Thomas Irlbeck

Forsthaus Diana

Forsthaus Diana
Das Forsthaus Diana mit seinen markanten Staffelgiebeln (30.05.2011) © Thomas Irlbeck

Zum Abschluss soll noch ein sehr schönes Gebäude vorgestellt werden, das Forsthaus Diana. Im Forsthaus Diana, mitten im tiefen Wald, arbeitet einer der letzten Köhler Bayerns, wohl der letzte in Oberbayern, und verkauft seine Grillkohle. Das Gebäude wurde 1854 erbaut und steht unter Denkmalschutz. Hinter dem Gebäude gibt es einen Schießstand.

Weitere Orte

Der Ebersberger Forst bietet noch viele weitere mystische Stätten, die man alle an einem Tag kaum besuchen kann und die am Artikelanfang nur kurz erwähnt wurden. Vielleicht finden sie mal Erwähnung in einem weiteren Teil.

Anfahrt

Mit der S-Bahn gelangt man recht bequem nach Ebersberg. Die Wege zum und im Ebersberger Forst sind gut ausgeschildert. Wer mit dem Rad anfahren will, fährt auf der Wasserburger Landstraße Richtung Ost und folgt den Hinweisschildern. Man fährt fast ausschließlich auf Radwegen und verkehrsarmen Nebenstraßen.

Quellen