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Hinrichtungslegende Jungfernturm in München

Jungfernturm
Die Tafel erinnert an den Jungfernturm (06.02.2026) © Thomas Irlbeck

Im Münchner Kreuzviertel stand einst der Jungfernturm. Auch wenn er als Geschützturm der Stadtbefestigung errichtet worden war, erlangte er seinen schaurigen Ruf eher durch die Berichte über Folterungen und Hinrichtungen unter Einsatz der Eisernen Jungfrau, daher auch sein Name. Die Todesurteile sollen im Turm gesprochen worden sein.

Der Turm wurde 1493 zwischen der zweiten Stadtmauer und der ihr vorgelagerten Zwingermauer erbaut. 1791 wurde die Festungseigenschaft Münchens aufgehoben. Der Turm hatte dann keinen Sinn mehr und wurde wurde 1804 bis auf wenige Reste abgerissen.

Jungfernturm
Reste des Jungfernturms (06.02.2026) © Thomas Irlbeck
Jungfernturm
Reste des Jungfernturms (06.02.2026) © Thomas Irlbeck
Jungfernturm
Reste des Jungfernturms (06.02.2026) © Thomas Irlbeck
Jungfernturm
Reste des Jungfernturms (06.02.2026) © Thomas Irlbeck
Jungfernturm
Reste des Jungfernturms (06.02.2026) © Thomas Irlbeck
Jungfernturm
Salvatorgarage am Jungfernturm. Sie bietet ca. 465 Stellplätze, 30 Frauen- und fünf Behindertenstellplätze (06.02.2026) © Thomas Irlbeck
Der Jungfernturm
„Der Jungfernturm“ von Carl August Lebschée (1853)

Architektur

Der Jungfernturm war ein wuchtiger Turm mit steilem Satteldach. Sein Standort befand sich nordöstlich der Salvatorkirche zwischen  innerer und äußerer Stadtmauer. An der Stelle, an der er äußere Stadtmauer hinausragte, war seine Form halbrund. Er stand direkt vor dem die Stadt umgebenden Wassergraben. Statt Fenster gab es Schießluken.

Spuk

Eine angeblich im Jungfernturm hingerichtete Person war der Hauptmann Franz von Unertl. Obwohl damals die Festungseigenschaft schon aufgehoben worden war, soll er am Abend des 06. Januar 1796 aus einem Gasthaus mit einem einspännigen Pferdewagen abgeholt und zum Jungfernturm gebracht worden sein. Am 07. Januar um 3 Uhr morgens soll die Hinrichtung vollzogen worden sein. Die Legende besagt, dass sich, wenn sich die Todesnacht vom 06. auf den 07. Januar jährt, Franz von Unertl in der Jungfernturmstraße einen spektakulären Auftritt als Gespenst hat – in Frack und Lederstiefeln.

Zweifel am Einsatz der Eisernen Jungfrau

Für den generellen Einsatz von Eisernen Jungfrauen vor dem 19. Jahrhundert (also 1800 bis ca. 1830) gibt es jedoch keine guten Hinweise. Daher kommen erhebliche Zweifel auf, ob so ein fürchterliches Werkzeug überhaupt je im Jungfernturm zur Anwendung kam, denn 1804 gab es den Turm ja schon nicht mehr.

Dennoch hält sich beim Jungfernturm die Legende einer besonders grotesken und abartigen Hinrichtungsmethode mit einem Tötungsinstrument, das die Todeskandidaten aber keineswegs durchbohrt haben soll. Streng genommen war es also keine Eiserne Jungfrau.Viel mehr kam eine Statue der Jungfrau Maria zum Einsatz. Diese soll in ihrem Inneren zwar keine Nägel und Dornen gehabt haben, aber ihr Herz war auch nicht wirklich gütig, wie wir nun sehen werden.

Statt den Tod im Inneren der Statue zu finden, musste der Todeskandidat diese küssen, woraufhin sich eine Klappe geöffnet haben und dieser in den Kerker hinabgestürzt sein soll. Wie die Verurteilen dann zu Tode gekommen sein sollen, ist nicht überliefert. Auch für diese Hinrichtungsart, bei der die Todeskandidaten immerhin noch einen letzten – kalten – Kuss abgeben durften bzw. mussten, gibt es keine Belege.

Andere Erzählungen berichten, es sei im Jungfernturm sehr wohl eine Eiserne Jungfrau eingesetzt worden. Dabei soll der Verurteilte durch eine Falltüre in die darunterliegende Eiserne Jungfrau gestürzt und von dieser zerfleischt worden sein.

Wahrscheinlicher ist es jedoch, das der Turm nur als Gefängnis benutzt wurde und dort keine Hinrichtungen vollzogen wurden. Es bleibt nur die gruslige Geschichte.

Die Eiserne Jungfrau

Auch wenn diese perverse Apparatur im Münchner Jungfernturm nicht zur Anwendung kam, lohnt es sich, sie einmal zu durchleuchten. Wie erwähnt, ist ihr Einsatz im Mittelalter nicht belegt, dennoch haftet ihr ein mittelalterlicher Ruf an. Aber es gibt Berichte, dass der spartanische Tyrann Nabis um 200 v. Chr. ein ähnliches Gerät als Strafe für Erpressung und Mord verwendet haben soll.  Besonders grausam: Die Nägel und Dornen waren nicht lang genug, um einen schnellen Tod herbeizuführen. So wurden lebensnotwendige Organe nicht durchbohrt, aber die Nägel und Dornen drangen tief genug ins Fleisch ein, um einen langsamen, besonders qualvollen Tod zu bewirken.

Eiserne Jungfrau
Illustration einer Eisernen Jungfrau aus einer polnischen Enzyklopädie von 1902
Museum des Lebuser Landes in Zielona Góra
Museum des Lebuser Landes in Zielona Góra (Polen). Foto: Lestat (Jan Mehlich) / Lizenz: CC BY-SA 3.0

Schlappe 1.000 Jahre später soll der abbasidische Wesir Ibn al-Zayyat eine hölzerne, ofenähnliche Truhe, die innen mit Eisenspitzen bewehrt war, zur Folter und Tötung konstruiert haben. Er machte dann tragischerweise bei seiner eigenen Hinrichtung im Jahr 847 mit ihr Bekanntschaft.

Die berühmteste Eiserne Jungfrau ist die Nürnberger Jungfrau, die 1515 entwickelt worden sein soll. Bei ihr soll die Leiche danach durch eine im Boden befindliche Öffnung in den darunter liegenden Fluss gefallen sein. Eine Kopie der Apparatur steht im Mittelalterlichen Kriminalmuseum Rothenburg ob der Tauber. Das Original wurde 1944 bei einem Bombenangriff zerstört. Heute geht man davon aus, dass die Nürnberger Jungfrau erst im 19. Jahrhundert gebaut wurde, um die mittelalterlichen Praktiken übertrieben darzustellen. Die Hinrichtungsart soll übrigens „Der Jungfernkuss“ genannt worden sein. Das kommt uns jetzt bekannt vor, mit dem Unterschied dass es bei der Nürnberger Variante offenbar nur ein Name ist, es also keinen Kuss gegeben haben soll. Das macht den Kuss beim Münchner Jungfrauenturm nicht unbedingt glaubwürdiger.

Quellen

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Ein totes Mädchen, eine Hexe und die Folter­methode „Wasserprobe“

Altes Wehr bei Glonn
Symbolbild: Altes Stauwehr bei Glonn (14.06.2021) © Thomas Irlbeck
Hexe
Hexe mit schwarzer Katze. Lizenz: Public Domain

Ein Polizeibericht vom 1. Juli 1876 berichtet von einer schrecklichen Ausgeburt des Aberglaubens. In der Nähe von Newport (Grafschaft Gwent, Südwales) wurde eine alte Frau namens Margaret „Peg“ Grover der Hexerei verdächtigt. Schön längere Zeit glaubten viele in der Gegend, dass die Frau für Unglücke verschiedener Art verantwortlich sei. Als ein kleines Mädchen namens Sarah Parvis unerwartet starb und sich Peg auch in dieser Zeit in der Nachbarschaft aufgehalten hatte, glaubten Arbeiter, dass Peg für den Tod verantwortlich sei. Diese schlangen ein Seil um Pegs Taille und warfen sie ins Wasser. Das Seil wurde schließlich über einen Ast geworfen, um die Frau zum großen Vergnügen der Zuschauer abwechselnd ins Wasser zu tauchen und wieder hochzuziehen. Der Vorgang wurde zehn- bis zwölfmal wiederholt. Vermutlich wäre die Frau gestorben, aber zum Glück kamen Nachbarn hinzu, die nicht dem Hexenglauben verfallen waren und die Frau befreiten.

Wasserprobe

Wasserprobe Stuhl
Wasserprobe per Stuhl an einer altem Frau. Originaltitel: „Old woman draught at Ratcliffe Highway“. Illustration aus einem Volksbuch aus dem 18. Jahrhundert, das in Volksbüchern des 18. Jahrhunderts von John Ashton (1834) reproduziert wurde. Datum: vor 1800. Lizenz: Public Domain

Auch wenn der Polizeibericht hier nicht darauf eingeht, sprechen andere Quellen sprechen davon, dass die Abgergläubischen die Frau einer sogenannten Wasserprobe unterzogen hätten. Die Idee dahinter: Wenn die Frau eine Hexe wäre, würde sie den Test bestehen, also nicht untergehen. Danach könnte sie als Hexe verurteilt werden. Ging die Frau hingegen unter, wäre ihre Unschuld bewiesen. Aber allzu oft kam es dabei zu Todesfällen. Die Frau hatte halt dann das Pech gehabt, die Prozedur nicht überlebt zu haben. Das Motto: Tot, aber quasi freigesprochen wegen erwiesener Unschuld. Unter dem Segen der Kirche durchgeführte Wasserproben gab es seit 1215 nicht mehr, weltlich wurde das Verfahren allerdings noch länger angewendet. Vereinzelt sind Wasserproben als Rechtsmittel aber nur bis zum späten 17. Jahrhundert dokumentiert. Daher darf hier eher eine Art von besonders grausamer und verblendeter Selbstjustiz in Gestalt von Folter angenommen werden – in einer  Gesellschaft, die schon deutlich aufgeklärter als noch im Mittelalter war, auch wenn die Reaktionen der Beteiligten anderes vermuten lassen.

Die Fotos mit dem Bach und dem alten Stauwehr hier dienen nur zu Illustration, sie haben keine Verbindung mit dem Fall. Ich habe sie 2021 in Glonn (bei Grafing) aufgenommen. Die Fotos scheinen aber etwas erzählen zu wollen und sind meines Erachtens für eine reine Bilderstrecke ohne Geschichte zu schade, daher werden sie hier gezeigt.

Quelle Polizeibericht: „Als Opa die Oma erstach“ / hrsg. von Leonard de Vries, Stalling-Verlag, 1976

Altes Wehr bei Glonn
Symbolbild: Altes Stauwehr bei Glonn (14.06.2021) © Thomas Irlbeck
Altes Wehr bei Glonn
Symbolbild: Altes Stauwehr bei Glonn (14.06.2021) © Thomas Irlbeck
Altes Wehr bei Glonn
Symbolbild: Altes Stauwehr bei Glonn (14.06.2021) © Thomas Irlbeck
Ermordung vermeintlicher Hexen
Ermordung vermeintlicher Hexen. Lizenz: Public Domain