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Der letzte Kreuzweg Münchens: verfallen, nicht zugänglich – eine Schande!

St. Michael (Berg am Laim)
St. Michael in Berg am Laim (20.02.2020) © Thomas Irlbeck

Vor der sehr prachtvollen Kirche St. Michael in Berg am Laim befindet sich der letzte Münchner Kreuzweg unter freiem Himmel. Der Leidensweg Christi ist in Gestalt von 14 Bildstöcken dargestellt. Man sollte annehmen, dass den Pilger und Interessierten hier farbenprächtige Steinguss-Reliefs erwarten. Doch die Realität ist deprimierend, wie die Bilder zeigen. Der Kreuzweg, der übrigens denkmalgeschützt ist, befindet sich in einem katastrophalen Zustand. Die Scheiben fehlen, ebenso einige der Kreuze. Die Reliefs sind verschwunden, die Farbe blättert ab.

Kreuzweg (Berg am Laim)
Der traurige Zustand einer der Bildstöcke des letzten und einzigen Münchner Kreuzwegs unter freiem Himmel (20.02.2020) © Thomas Irlbeck

Ein Teil der Reliefs konnten immerhin gerettet und im Kirchengebäude eingelagert werden. Einige Reliefs sind aber für immer verloren. Erschwerend kommt dazu, dass der Kreuzweg nicht öffentlich begehbar ist. Er liegt auf dem eingezäunten Grundstück der Maria-Ward-Schule. Immerhin kann man den Bildstöcken ganz nahe kommen, da diese direkt am Zaun stehen.

Der Bezirksausschuss Berg am Laim fordert, dass der Kreuzweg, der ein Denkmal und ein wichtiges Zeugnis der Stadteilgeschichte ist, saniert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Das berichtete die Lokalzeitung „Hallo“. Diese Forderungen gibt es schon seit Jahren. Dem Ordinariat ist die Restaurierung jedoch zu teuer, nun soll geprüft werden, ob Mittel aus dem Stadtbezirksbudget herangezogen werden können. Dabei soll auch untersucht werden, ob es sinnvoll ist, den Kreuzweg zusammen mit der nahegelegenen koptisch-orthodoxen Kirche St. Mina (vormals Loretokirche) und dem unmittelbar angrenzenden ehemaligen Institut der Englischen Fräulein (beide an der Josephsburgstraße) als Ensemble einzutragen. Der Hintergrund ist, dass der Kreuzweg zum ehemaligen Institut der Englischen Fräulein gehört. Er ist dabei als Einzeldenkmal registriert.

Kreuzweg (Berg am Laim)
Bildstock (20.02.2020) © Thomas Irlbeck
Kreuzweg (Berg am Laim)
Bildstock (20.02.2020) © Thomas Irlbeck
Kreuzweg (Berg am Laim)
Ein Bildstock ist in der Bildmitte zu sehen (20.02.2020) © Thomas Irlbeck
Kreuzweg (Berg am Laim)
Bildstock (20.02.2020) © Thomas Irlbeck
Kreuzweg (Berg am Laim)
Bildstock (20.02.2020) © Thomas Irlbeck
Kreuzweg (Berg am Laim)
Bildstock (20.02.2020) © Thomas Irlbeck

Was ist ein Kreuzweg?

Kreuzweg am Frauenbründl
Bildstcok am Kreuzweg am Frauenbründl (Archivbild von 2014) © Thomas Irlbeck

Ein Kreuzweg ist ein Wallfahrtsweg (auch Prozessionsweg genannt), der der Via Dolorosa („schmerzensreiche Straße“) in Jerusalem, dem Leidensweg Jesus Christi, nachempfunden ist. Die Anzahl der Stationen variieren. Es gibt Kreuzwege mit 7, 9, 14 oder 15 Stationen. Am häufigsten verbreitet sind 14 Stationen (seit der Zeit um 1600); so wie auch bei unserem Kreuzweg in Berg am Laim. Die einzelnen Kreuzwegstationen erfolgen meist als Bilderzyklus (wie bei unserem Kreuzweg), seltener als Skulpturengruppe oder – in Form von Bildstöcken mit Bildern, Skulpturen oder Kapellen – im Großen als Kalvarienberg. Die Stationen werden auch als Fußfallstationen (auch wenn sich das wie Fußball liest, man sehe genau hin: „Fuß-Fall…“ wie hinfallen) genannt, weil die Beter an jeder Station niederknien. Manchmal entsprechen die Kreuzwegstationen hinsichtlich Lage und Entfernung genau den Verhältnissen der originalen Via Dolorosa in Jerusalem..

Kreuzweg am Frauenbründl
Kreuzweg am Frauenbründl: Relief in der Detaildarstellung (Archivbild von 2014) © Thomas Irlbeck

Ein Bildstock eines intakten Kreuzwegs darf nach diesen schlimmen Bildern nicht fehlen. Zu sehen ist hier die Station Nr. 1 des Kreuzwegs am Marienheiligtum Frauenbründl in der Nähe von Glonn/Bayern. Die Quelle, die unter der Kapelle entspringt, gilt als Heilquelle (siehe Bericht dazu: Kapelle mit Heilquelle: Das Marienheiligtum Frauenbründl).

St. Michael

„Die römisch-katholische Pfarrkirche Sankt Michael in Berg am Laim ist eine der prachtvollsten und bedeutendsten Sakralbauten im heutigen Stadtgebiet von München. Die spätbarocke Kirche wurde zwischen 1735 und 1751 im Auftrag des Kurfürsten und Erzbischofs von Köln Clemens August I. von Bayern nach Plänen des bayerischen Baumeisters Johann Michael Fischer errichtet. Die Ausstattung der Kirche gilt als ein Hauptwerk des süddeutschen Rokoko.“ (Text aus der Wikipedia)

St. Michael (Berg am Laim)
St. Michael in Berg am Laim (20.02.2020) © Thomas Irlbeck
St. Michael (Berg am Laim)
St. Michael in Berg am Laim (20.02.2020) © Thomas Irlbeck
St. Michael (Berg am Laim)
St. Michael in Berg am Laim: St. Michael in Berg am Laim (20.02.2020) © Thomas Irlbeck
St. Michael (Berg am Laim)
St. Michael in Berg am Laim (20.02.2020) © Thomas Irlbeck
St. Michael (Berg am Laim)
St. Michael in Berg am Laim; entspricht oberstem Bild (20.02.2020) © Thomas Irlbeck

Anfahrt

Mit der Tram 21 fährt man bis zur Haltestelle „Baumkirchner Straße“. Von dort folgt man der Baumkirchner Straße bis zum südlichen Ende, dann hält man sich links und gelangt in die Josephsburgstraße. Die nächste Querstraße rechts ist die Clemens-Augustr-Straße, an deren Ende das Ziel der Begierde zu finden ist. Auch Auto- und Radfahrer finden auf der folgenden Umgebungskarte eine Orientierungshilfe.

Map Kreuzweg (Berg am Laim)
Umgebungskarte des Kreuzwegs. Die Kirche St. Michael ist mit dem Pfeil gekennzeichnet. Quelle: OpenStreetMap, Lizenz: Open Database License 1.0

Quellen

Berg am Laimer Bezirksausschuss fordert Denkmalschutz und Sanierung des Kreuzweges („Hallo“)

2 Antworten auf „Der letzte Kreuzweg Münchens: verfallen, nicht zugänglich – eine Schande!“

Man mag sakralen Dingen skeptisch gegenüber stehen, hier handelt es sich aber um ein europäisches Kulturerbe welches zu erhalten ist. Wenn sich die betroffene katholische Kirche weigert die Mittel bereitzustellen ist das für mich nur damit zu erklären, dass sie das Geld für Entschädigungszahlungen für die Missbrauchsopfer von Priestern bereit halten will. Die angebotenen 50.000 Euro reichen einigen der Opfer nicht aus, sie wollen bis zu 400.000 Euro pro Kopf.

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